China-Austausch 2019 – die Woche in den Gastfamilien

8682 km trennen Essen von Changzhou. Auf der anderen Seite der Welt ist bestimmt alles ganz anders, oder?

Voller Enthusiasmus und Vorfreude versammelten wir uns am Montag, den 10. Juni 2019, am Flughafen Düsseldorf, um uns auf den Weg nach China zu begeben. Vor uns 22 Zehntklässlern lag ein insgesamt zweieinhalbwöchiger Aufenthalt im Reich der Mitte. Für eine Woche bekamen wir einen Einblick in chinesische Familien.

Nach einer circa 24-stündigen Flug- und Busreise erreichten wir am 11. Juni 2019 endlich unsere Partnerstadt Changzhou. Die High School No. 1 hieß uns herzlich willkommen, unter anderem mit Hilfe eines riesigen, über dem Schuleingang befestigten Displays.

Die Gastfamilien gaben uns einen Einblick in die chinesische Kultur, in der die Gastfreundschaft ein wichtiger Teil ist. Man kümmerte sich sehr gut um uns, kochte besonderes Essen oder aß mit uns in Restaurants. Die Gasteltern boten uns an, unsere Wäsche zu waschen, und waren ständig darauf bedacht, dass wir uns wohl fühlten. Da die Eltern unserer Austauschpartner kaum oder gar kein Englisch sprachen, waren Übersetzungs-Apps sehr hilfreich. Manchmal übersetzten aber auch unsere Austauschpartner.

Die Gastfamilien gaben uns die Möglichkeit, besonders Unterschiede bei den Tischmanieren kennenzulernen. Grob gesagt: Ob Schmatzen oder Schlürfen, in China ist alles erlaubt. Das Benutzen der Stäbchen fiel uns mit der Zeit leichter, allerdings hatten einige von uns Schwierigkeiten, sich an das Essen zu gewöhnen. Hinzu kommt, dass bedingt durch die Gastfreundschaft immer reichlich nachgegeben wurde. Gegessen wurde fast zu jeder Mahlzeit Reis, auch zum Frühstück als Brei und sehr viel Fleisch. Bei dem traditionellen Hotpot-Essen gab es außerdem auch Kuhmagen und in einem südchinesischen Restaurant frittierte Insekten (sehr lecker!).

Die Gastfreundschaft der Familien fiel jedem von uns auf. Mir war es zum Beispiel nicht möglich, irgendetwas selber zu bezahlen. Außerdem kauften manche Familien extra für uns ein und vergaben sehr großzügig Abschiedsgeschenke. Auf Dauer konnte die Gastfreundschaft dann aber manchmal auch anstrengend werden. Mir wurde fast immer Essen nachgereicht, jede Tür geöffnet und natürlich wurde immer betont, wie toll China sei. Der Aufenthalt in den Gastfamilien war sehr lehrreich und aufregend und es war bemerkenswert, wie offen man mit den Familien über Themen wie die Internetzensierung reden konnte.

Unser besonderes Schulprogramm ergänzte das Leben in den Gastfamilien perfekt und gab uns einen tieferen Einblick in die chinesische Tradition. Die Kommunikation gestaltete sich zum Teil schwierig, vor allem wegen einiger Unterschiede in der Aussprache einzelner Wörter. Die Schule fing um 7 Uhr morgens an und endete um 17:45 Uhr. Da die chinesischen Schüler wenig Schlaf bekommen, halten alle, inklusive der Lehrer, einen Mittagsschlaf. Die Schulregeln glichen denen unserer Schule. Jedoch bemerkten wir, dass die Schüler eine persönlichere Beziehung zu den Lehrern haben. Unsere Aktivitäten bestanden aus Sport, dem Erlernen der chinesischen Kalligraphie, dem Basteln typisch chinesischer Anhänger, Ausflügen und vielem mehr. Dies bereitete uns viel Freude. Zu Mittag aßen wir in der Kantine, wo das Essen nicht immer den deutschen Geschmack traf. Ich habe lediglich Reis gegessen, da fast in jeder Beilage Fleisch enthalten war und das Essen außerdem sehr ölig war. In meiner Gastfamilie allerdings waren die Mahlzeiten vorzüglich.

Auch die Toiletten waren anders. Es gab Hock-Klos, oder einfach gesagt, Löcher im Boden und wir mussten lernen, dass oft selbst Toilettenpapier mitgebracht werden muss.

Am Wochenende hatten wir dann endlich mehr Zeit, Changzhou mit unseren Austauschpartnern zu erkunden. Wir besuchten Tempel, gingen in Freizeitparks und Einkaufszentren, von denen es in Changzhou einige gibt, und sangen Karaoke.

Wir hatten eine wunderbare und erlebnisreiche Zeit in den Gastfamilien. Um einige Erfahrungen reicher verließen wir Changzhou am Montag, den 17. Juni 2019, in Richtung Shanghai. Wir haben gelernt, dass unsere chinesischen Freunde uns doch in vielerlei Hinsicht ganz ähnlich sind. Die Welt ist hier doch nicht so anders wie zunächst gedacht.

Elin de la Motte

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